Feuerwehr Grafenrheinfeld
Donnerstag, 23 Juni 2016 18:34

TETRA-Digitalfunk-Technik löst am 25. Juni analogen Sprechfunk ab

Schweinfurt Stadt und Landkreis. Am Samstag, 25. Juni 2016, beginnt für die Feuerwehren in Stadt und Landkreis Schweinfurt das langersehnte „Digitale Zeitalter“. Pünktlich um 6.30 Uhr wird der alte analoge Sprechfunk durch die neue TETRA-Digitalfunk-Technik abgelöst.

Im Jahre 1972 wurde der analoge Sprechfunk für Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste in Deutschland eingeführt. Seitdem hat sich das für die Einsatzkräfte wichtige Kommunikationsmittel „Sprechfunk“ kaum weiterentwickelt. So wurde zur Jahrtausendwende die Entscheidung für ein neues, modernes Kommunikationsnetz für alle „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)“ in Deutschland durch die Landesregierungen und den Bund getroffen.

Das hochsichere und mehrfach verschlüsselte deutschlandweite Kommunikationsnetz sollte ursprünglich schon zur Fußball-WM 2006 seinen Dienst aufnehmen. Nachdem viele Bundesländer den neuen BOS-Funk nach dem sogenannten TETRA-Standard bereits nutzen, konnte in Bayern erst relativ spät der Netzaufbau abgeschlossen und die praktische Nutzung begonnen werden. Grund dafür ist unter anderem die hohe Zahl der in Bayern aufgebauten „Antennen“, den sogenannten TETRA-Basisstationen. Etwa ein Drittel aller Basisstationen des bundesdeutschen Netzes stehen in Bayern. Dies sorgt für ein qualitativ hochverfügbares Netz und eine sehr hohe Netzabdeckung im Flächenland Bayern.

 

Während des G7 Gipfels 2015 im Bayerischen Oberland hat der Digitalfunk endgültig seine Einsatztauglichkeit und Zuverlässigkeit für die bayerischen Einsatzkräfte bewiesen.

Im Jahr 2014 haben sich die Feuerwehren der Stadt und des Landkreises Schweinfurt an einer Ausschreibung zur Beschaffung der Endgeräte des Bezirksfeuerwehrverbandes Unterfranken beteiligt. Durch die hohe Zahl an Endgeräten bei der bezirksweiten Beschaffung, über 10.000 Funkgeräte wurden geordert, konnte ein sehr günstiger Preis erzielt werden, der weit unter den damaligen Planungen und Annahmen lag.

Neben der eigentlichen Beschaffung der Endgeräte gab es viele weitere Aufgaben bei der Umstellung der Feuerwehren auf den Digitalfunk zu bewältigen:

Die Beschaffung der rund 1.800 Handsprechfunkgeräte und rund 700 Fahrzeugfunkgeräte durch die Stadt Schweinfurt und die Kommunen im Landkreis Schweinfurt wurde durch den Freistaat Bayern mit rund 80 Prozent bezuschusst. Die Montage der Funkgeräte in die Feuerwehrfahrzeuge musste von den Trägern der Feuerwehren jedoch sowohl finanziell geschultert, als auch organisatorisch bewältigt werden. Alleine bei der Feuerwehr der Stadt Schweinfurt wurden fast 100 Funkgeräte in die Fahrzeuge verbaut. Im Mai dieses Jahres wurden die letzten Fahrzeuge mit der neuen Technik ausgestattet.

Auch für die Feuerwehr-Führung in Stadt und Landkreis bedeutete die Umstellung viel zusätzliche Arbeit in den vergangenen Monaten: „Wir mussten nicht nur organisatorisch neue Vorgaben der Regierung umsetzen, auch die Schulung der etwa 4.000 Feuerwehrangehörigen in Stadt und Landkreis, sowie bei den Werkfeuerwehren, wurde durch eigene Fachleute und geschulte Multiplikatoren übernommen“, sagt Kreisbrandrat Holger Strunk, der sich auch für die Einführung der neuen Technik im Landkreis verantwortlich zeichnet. „Unsere ehrenamtlichen Ausbilder haben viele hundert Stunden in die Ausarbeitung des Schulungskonzeptes, die Ausbildung der Multiplikatoren und die Schulung der Feuerwehrleute investiert.“

 

Die Verwaltung, Registrierung und das „Update-Management“, also das versorgen der Endgeräte mit den jeweils neuesten Parametern und Software-Versionen, ist ein laufender Aufwand, den die neue Technik mit sich bringt. Der Landkreis Schweinfurt hat, wie auch andere Nachbarlandkreise, dazu mit der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS Schweinfurt) eine Vereinbarung darüber getroffen. Die ILS Schweinfurt kümmert sich mit ihrem Personal und ihrer 24-Stunden-Bereitschaft um die Endgeräte der Landkreiswehren. In der Stadt Schweinfurt verwaltet die Ständige Wache der Feuerwehr ihre eigenen und die Geräte der Werkfeuerwehren.

Die ILS Schweinfurt, die außerdem alle Feuerwehren in Stadt und Landkreis Schweinfurt im Einsatzfall alarmiert und für die Koordination über Funk sorgt, wird am kommenden Samstag um 6.30 Uhr das Startsignal für die Nutzung des neuen BOS-TETRA-Digitalfunknetzes geben. Ab diesem Datum funken dann nicht nur die Wehren im benachbarten Landkreis Bad Kissingen, die Polizei im Bereich Würzburg/Schweinfurt, der Rettungsdienst im Bereich der ILS Schweinfurt, sondern eben auch alle Feuerwehren im Landkreis Schweinfurt, die Feuerwehr der Stadt Schweinfurt, sowie alle Werkfeuerwehren im Bereich Schweinfurt Stadt und Land digital.

 

„Das ist ein großer Schritt für unsere Feuerwehren“, so Kreisbrandrat Holger Strunk. „Der Digitalfunk hat sich bereits bei einzelnen Einsätzen im Landkreis bestens bewährt. Ich freue mich sehr auf die neue Digitalfunktechnik ohne ‚Knacken, Rauschen und schwer verständlicher Funksprüche, denn eine bessere Verständlichkeit, Erreichbarkeit und Abdeckung wird die Qualität der Arbeit und die Schlagkraft unserer vielen, meist ehrenamtlicher, Helfer erhöhen. Ab dem kommenden Samstag werden alle Einsatz- und Rettungskräfte ein einheitliches Kommunikationsnetz nutzen. Eben ein Netz für alle Helfer“, erklärt Strunk.

Während die Sprachkommunikation ab dem kommenden Samstag im digitalen Netz stattfindet, wird die Alarmierung der Einsatzkräfte per Funkmelder und Sirene bis auf weiteres noch über die analoge Technik durchgeführt. Die Einführung der „digitalen Alarmierung“ durch die bayerische Landesregierung ist für die kommenden Jahre vorgesehen. Somit bleibt auch weiterhin viel Arbeit für die Verantwortlichen bei den Wehren in der Stadt und dem Landkreis bestehen, auch wenn mit dem Startschuss für den Wirkbetrieb des Digitalfunk ein Teilprojekt in der Modernisierung der kommunalen Gefahrenabwehr nach vielen Monaten der Vorbereitung abgeschlossen wird.

Der Beginn des Digitalfunk-Wirkbetriebes, also die Nutzung des neuen Netzes durch alle Feuerwehren in Stadt und Landkreis Schweinfurt am 25. Juni, wird begleitet durch eine landkreisweite Funkübung im südlichen Landkreis an der zahlreiche Feuerwehren und Dienststellen teilnehmen. Wer mehr über die Möglichkeiten und Verbesserungen des Digitalfunks erfahren möchte, dem seien die zahlreichen Veranstaltungen der ILS Schweinfurt und der Feuerwehren in den nächsten Monaten empfohlen. Derartige Aktionen sind immer einen Besuch wert.

Quelle: KFV Schweinfurt